Wasserversorgung in Ikwotos, Südsudan

Obige Bilder zeigen Impressionen bei der Ertüchtigung der Wasserversorgung mehrerer Gemeinden in Ikwotos, Südsudan. Federführung hatte dabei die Caritas Schweiz. Insgesamt profitierten vier Dörfer mit rund 2.000 Haushalten und ca. 15.000 Menschen von diesem Projekt.

Es ist aber auch ein gutes Beispiel für unser Credo „We connect people“

Aufmerksam wurden wir im August 2010 auf das Projekt durch den folgenden Zeitungsartikel (Anklicken zum Lesen) …

… und nahmen Kontakt zu Herrn Alfred T., Bad Dürkheim, auf und fragten inwiefern wir ihn bei seinem nächsten Aufenthalt im Südsudan aus der Heimat unterstützen könnten.

Zunächst vereinbarten wir, dass wir als „back office“ für technische Rückfragen fungieren und das Erstellen von Schulungsmaterialien für die zukünftigen Instandhaltungsarbeiten unterstützen.

Sehr schnell wurde aber zudem als zentrales Problem das defekte Entnahmerohr an der zentralen Wasserentnahmestelle in den Bergen offensichtlich – wie der Auszug aus einer Mail vom 18. September 2010 zeigt:

„Lieber Herr Heimann,
am vergangenen Mittwoch haben wir eine Bergtour zum „Intake“ gemacht. Bei den Temperaturen hier und ständig durch übermannshohes Gras war die Tour doch etwas anstrengend. Wir wollten alle Punkte festhalten, wo Entlüftungen oder sonstige Armaturen installiert sind. Außerdem war die Wassermenge, die bereits die 4 Dörfer versorgt, sehr gering geworden und wir wollten prüfen, was die Ursache ist. Die „Intake “ Leitung ist DN 200 St/ galv. rundum mit 2-3 mm X 80 mm Schlitzen versehen, fest einbetoniert im Damm und ragt ca. 6 m weit ins Wasser. Nahe am Rand ist zwischen den Schlitzen ein grösseres Loch ausgebrochen. An diesem Loch entsteht ein starker Sog und besonders jetzt während der Regenzeit bringt das Wasser auch Blätter mit die sich auf dem Loch festsetzen. Durch die Schlitze scheint nicht genügend Wasser zu fließen. Ein großes Problem ist auch, dass sich das Einlaufrohr nicht demontieren und reinigen lässt. An dieser Stelle werden ständig Probleme zu erwarten sein, besonders wenn demnächst die volle Wassermenge für Ikwotos benötigt wird. Meiner Meinung nach wäre es das Beste das Rohr auszubrechen, ein neues Rohr beidseitig mit Flanschen versehen, St/galv., einzubetonieren und das Einlaufrohr in T-Ausführung mit kleinen Bohrungen (6 mm) auf der Unterseite und seitlich in PE anzuflanschen. Ich hänge Ihnen einige Bilder an und würde hierzu gerne Ihre Meinung kennen lernen.
Viele Grüsse
Alfred T.“

Zusammen mit einem befreundeten Experten konzipierten wir das neue Entnahmerohr als sog. Kantenspalt-Filter. Ein Kantenspalt-Filter ist aufgrund seiner in Strömungsrichtung des Wassers sich weitenden Filterstruktur unempfindlich gegen Verschmutzungen und reinigt sich durch das Außen anströmende Wasser quasi selbst. Als glücklicher Umstand kam hinzu, dass die Fertigung des neuen Filters aus ausgemusterten Einzelteilen aus dem Betrieb des befreundeten Experten möglich war. So konnte das neue Filter von Seiten des Betriebs/Unternehmens (BASF SE) gefertigt und kostenlos als Spende zur Verfügung gestellt werden. Die folgenden Bilder zeigen die Rohlinge und das bis Mai 2011 fertig gestellte Filter:

Nun galt es die Transportkette für das Kantenspalt-Filter via Nairobi, Kenia nach Ikwoto im Südsudan zu organisieren. Wir wussten, das die Präsidentin des RC Eisenberg-Leiningerland eine immer wieder im Rahmen des humanitären Hilfsprojekts „Cargo Human Care e. V.“ der Lufthansa Cargo  medizinische Geräte und andere Ausrüstungsgegenstände für eine von ihr in Nairobi aufgebaute Klinik nach Kenia transportiert bekommt. Sie war spontan bereit uns zu unterstützen. Nachdem die logistischen Randbedingungen (Am Rande: Dies erfolgte bereits in der Auslegungsphase im Hinblick auf die zu erwartenden Transportabmessungen und das Gewicht …) geklärt waren und der „Flug“-Termin feststand, musste das Filter „nur“ noch vom Betrieb in Ludwigshafen an den Flughafen in Frankfurt am Main transportiert werden. Das allein ist eine kleine spannende Episode:

  • Zunächst „landete“ das Filter gut verpackt in der Einfahrt unseres Privathauses.
  • Dann ging es via eines von mir gesteuerten und von einem Clubfreund inklusiver zweier Auszubildender (für das Ver- und Entladen des Filters) zur Verfügung gestellten Kleinlastwagens zur Praxis der befreundeten Clubpräsidentin.
  • Von dort wurde es von ihr mit ihrem Vater nach Frankfurt an den Flughafen geschafft.
  • Dann der Flug mit der Lufthansa Cargo nach Nairobi.
  • Dort dauerte es dann etwas das Filter aus dem Zoll und in die Klinik zu bekommen, von wo es dann im Oktober 2011 von der Caritas Schweiz abgeholt und per LKW nach Ikwotos im Südsudan tranportiert wurde.

Im März 2012 wurde dann schließlich mit dem Einbau des Kantenspalt-Filters an der Wasserentnahmestelle in den Bergen begonnen. Die folgenden Bilder geben davon einen Eindruck:

Am 24. Juni 2012 kam dann per Mail die erlösende Nachricht:

„Sehr geehrter Herr Heimann
Sehr geehrter Herr Tilscher

Es ist eine Erfolgsgeschichte!

Mein letzter Besuch in Ikwotos war sehr positiv. Seit Beginn darf ich das Projekt in Ikwotos als technische Konsulentin begleiten und kenne daher die technischen und auch die situativen Gegebenheiten gut. Der Kantenspalt-Filter hat sein Ziel erreicht und hilft maßgebend mit, das Wasser über das „Intake“ nach Ikwotos Town zu speisen. Die Stadt ist gewachsen, immer mehr IDP’s kommen zu ihrem Ursprungsort zurück und siedeln in Ikwotos.

Der Kantenspalt-Filter wurde nun definitiv montiert. Zuvor wurden die letzen Arbeiten beim „Intake“ vorgenommen. Die Überlaufmauer wurde erhöht und verlängert, das Wiederlager am Beckenrand erstellt und die Leitungszuführung ab Filter zum Hauptschieber neu verlegt. Der Kantenspalt-Filter wird immer mit Wasser überströmt, was eine Optimierung der Einspeisung in das Netz zur Folge hat. Der Filter kann einfach und gut vom Beckenrand unterhalten werden, was ein wesentlicher Punkt darstellt.

Trotz der Änderung der ursprünglichen Planung, den Filter im Becken zu befestigen, konnte aus bautechnischen Gründen nicht umgesetzt werden. Die nun gewählte Lösung ist jedoch sehr gut und vereinfacht den Unterhalt wie auch die Gefahr der Beschädigung durch Schwemmholz oder Felsbrocken und Steinen die bei starken Niederschlägen im Becken landen.

Der Filter ist optimal eingesetzt, der Nutzen sehr gut.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse
Regina W.
Technical Consultant, Caritas Schweiz“

Im Folgenden ein paar Bilder und Kommentare zur Einbausituation:

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