"Fondo Ecuatoriano Populorum Progressio", Guaranda, Ecuador

Sebastian D. aus Neustadt, Pfalz, hat seinen Freiwilligendienst hauptsächlich in der Stadt Guaranda (30.000 Einwohner) im Süden Ecuadors in den Anden auf 2.600 m Höhe absolviert. Die Organisation, die er dort von Mitte August 2015 bis Mitte August 2016 unterstützte, nennt sich „Fondo Ecuatoriano Populorum Progressio (FEPP)“. Seine Erlebnisse hat er in Quartalsberichten (Links zu Nr. 123 und 4) sehr ausführlich und spannend dokumentiert. Im Folgenden stellt er den Beginn seiner Arbeit bei FEPP vor: 

„FEPP ist eine Entwicklungshilfeorganisation, die sich grob gesagt für die Entwicklung der ländlichen Gebiete hier einsetzt. Sie stützt sich auf kirchliche Werte und vor allem auf die Enzyklika Papst Paul VI. Die Organisation agiert fast ecuadorweit und besitzt viele Regionalbüros, wie unser Büro in Guaranda eines ist. Die Zentrale befindet sich in Quito. In den einzelnen Regionalbüros werden Projekte mit bestimmten Zielen durchgeführt, wie beispielsweise ein Müllprojekt, oder ein Projekt zur Wassersicherung, oder Ernährungssicherheit in Guaranda. Die Besatzung des Bueros in Guaranda umfasst 10 Personen, wobei jeder seine eigenen Aufgaben hat. FEPP sind außerdem noch weitere Organisationen angeschlossen, so z.B. eine Bank (banCODESAROLLO), eine Druckerei (imprefepp), ein Architekten/Ingenieurbüro (Novohabit/fepp construcciones), oder eine Organisation zur besseren Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Camari) und andere.

Als ich am ersten Tag zur Arbeit kam, erwartete mich schon die erste Hiobsbotschaft. Man sagte mir ganz nüchtern und auch nach Nachfrage ohne Erklärung, dass es das Wiederaufforstungsprojekt, für welches ich eigentlich eingeteilt worden war, nicht gibt. Dies traf mich hart, gerade am Anfang, wo alles noch neu, fremd und ungewohnt war. Zudem heizte das meine Achterbahnfahrt der Gefühle noch zusätzlich an. Deswegen arbeite ich jetzt in einem Projekt, welches das Ziel hat auf die Müllproblematik vor allem das Verbrennen und Entsorgen des Mülls in der Natur aufmerksam zu machen und in einem zweiten Schritt bis 2017 eine Mülltrennung in drei Kategorien in allen Parroquias des Cantos Guaranda und eine Müllabfuhr einzuführen. Dazu werden Unterrichtsreihen in Schulen für Kinder und auf Versammlungen für Erwachsene durchgeführt. Am Ende einer solchen Reihe werden den Familien auf den Versammlungen die neuen Mülleimer übergeben, damit sie das gelernte gleich anwenden können. In diesem Projekt arbeite ich zusammen mit Álvaro, Amada und Josefina. Alle haben innerhalb des Projektes ihre Aufgaben. Während Álvaro und Amada größtenteils für die Unterrichtsreihen und die Vergabe der Mülleimer zuständig sind, überprüft Josefina meistens, ob die Mülltrennung auch richtig durchgeführt wird.

Für mich läuft es leider in diesem Projekt noch nicht ganz zufriedenstellend. Zu Beginn gab es für mich keine wirklich sinnvolle Aufgabe. Der Unterricht in den Schulen, den ich abhalten sollte, war wegen der Schulferien noch nicht möglich. So bekam ich von Álvaro die Aufgabe eine Unterrichtsreihe, die meine Vorfreiwillige konzipiert hatte zu überarbeiten/verbessern, beziehungsweise neu erarbeiten. Nach mehrmaligem intensivem Studieren dieser Unterrichtsreihe kam ich aber zu dem Schluss, dass sie meines Erachtens schon sehr fundiert und gewissenvoll ausgearbeitet wurde und ich zu diesem Zeitpunkt nichts zu ergänzen wusste. So vergingen die ersten Wochen, in denen ich größtenteils im Büro saß und verschiedene kleine Arbeiten erledigte, oder Vokabeln lernte. Mit der Zeit entwickelte sich das dann auch etwas weiter, da ich zunehmend mit Amada, oder Josefina mitging, während sie die Arbeit der Müllabfuhr überwachten und gleichzeitig überprüften, ob die Leute den Müll richtig getrennt haben. Den Sinn habe ich zuerst nicht ganz verstanden, aber mittlerweile ist mir klar, wie wichtig diese „Überprüfung” ist. Einmal war ich mit Josefina in Simiatug, einem kleine Indigena-Dorf knapp 2 Stunden Serpentinenfahrt über Schotterpiste von Guaranda entfernt um nach dem wöchentlich stattfindenden Markt, die Leute darauf hinzuweisen, dass sie den Müll in Plastiktüten lagern und ihren Stand sauber zu hinterlassen haben, bis am nächsten Tag die Müllabfuhr kommt. Dabei ist mir klar geworden, wie wichtig das Projekt, bzw. diese Aufgabe ist, weil Simiatug nach diesem Markttag einem „Schlachtfeld” aus Obst/Gemüseresten und vielem anderem Müll glich. Abfall wird auf den Boden geschmissen und nicht fachgerecht entsorgt.

In letzter Zeit sind wir viel auf Dorfversammlungen (Réuniones) bei denen immer über bestimmte Themen gesprochen wird. Hier kann die Dorfbevölkerung ihre Meinung äußern. Im Moment wird viel darüber diskutiert, wie, oder in welcher Form das Müllprojekt weitergeführt wird, da die finanzielle Unterstützung dafür durch eine belgische Gemeinde 2017 ausläuft. Je nach dem, wie weit die Dörfer von Guaranda entfernt liegen, sind wir mehrere Tage unterwegs und übernachten auch dort.

Eine meiner Hauptaufgaben, nämlich das Unterrichten an Schulen und in Versammlungen, habe ich bis jetzt noch kaum durchgeführt. Ich habe Álvaro assistiert, bzw. seinem Unterricht beigewohnt, um von ihm zu lernen. Für die Schulkinder hier bin ich ein Gringo. Die meisten wissen nicht, wo Europa, beziehungsweise Deutschland liegen. Bei den Versammlungen ist mir aufgefallen, dass viele junge Frauen in meinem Alter bereits verheiratet sind und Kinder haben.

Eine Aufgabe im Moment ist die Ausgabe von neuen Mülleimern in Salinas und Simiatug. 

Anfangs bei meiner Projekteinführung erzählte mir Edison, der Bürochef, dass FEPP auch ein vivero forestal (eine Baumschule) angeschlossen ist. Ich interessierte mich dafür und sprach ihn nochmals darauf an mit dem Erflog, dass er mir eines Vormittags die Baumschule zeigte. Dabei stellte sich heraus, dass es dort einige Arbeit zu tun gibt und ich signalisierte ihm meine Bereitschaft dort auch ein paar Tage arbeiten zu wollen, worauf er direkt einwilligte. Bei dieser Arbeit handelt es sich grob gesagt darum die Baumschule, die im Moment nicht effizient und rentabel wirtschaftet, wieder wettbewerbsfähig zu machen. Unsere Aufgaben liegen hierbei fast ausschließlich in der Administration, da FEPP eine Familie angestellt hat, die das vivero bewirtschaftet. Leider beschränkt sich ihre Arbeit ausschließlich auf das Setzten und Verpflanzen von Samen und Setzlingen (es wird mit der Hand Erde in eine Plastiktüte gefüllt und dann der Samen hineingesetzt), sodass Vermarktung, Verkauf und Inventur erstellen nicht zu ihrem Arbeitsbereich gehören.

Meine erste Aufgabe war es Holzschilder mit den Namen der Baumsorten zu erstellen. Im Moment bin ich dabei eine Inventur aller Baumsetzlinge im vivero zu erstellen, damit wir einen Überblick bekommen, von welcher Sorte wie viele Bäume wachsen, um uns dann in einem zweiten Schritt um die Vermarktung jener zu kümmern. Diese Arbeiten empfinde ich als sehr erfüllend, da ich das Gefühl habe, dass ich das erste Mal etwas Eigenes alleine mache. Wie mir gesagt wurde ist das Baumschulprojekt für die Region sehr wichtig, da in zwei Jahren die staatlichen Subventionen auf Flaschengas (hier wird mit Gas gekocht) wegfallen und Holz wieder wichtig werden wird.Nebenbei arbeite ich noch daran, den Internet/Facebook Auftritt von FEPP zu koordinieren und zu verbessern (https://www.facebook.com/FEPPRegionalGuaranda). Da hier fast jede Privatperson und so gut wie jede kleine Einrichtung einen Facebook Auftritt haben, sind für die Bevölkerung die sozialen Netzwerke sehr wichtig.

Zudem gebe ich seit kurzem einer jungen Frau Deutschunterricht, da sie an einem Freiwilligendienst in Deutschland teilnehmen will, den meine Entsendeorganisation „Welthaus Bielefeld” organisiert. Darin wird es jungen Menschen aus den Ländern, in die das Welthaus Freiwillige aus Deutschland entsendet, möglich gemacht einen ähnlichen Dienst in Deutschland zu absolvieren, wie wir hier. Diese Idee des Süd-Nord-Freiwilligendienstes gefällt mir sehr gut.“

Quelle: Sebastian D., Quartalsbericht Nr. 1

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